Äuä
Berndeutsch
Sagt man im Kanton Bern
Ach was! Wirklich?
Äuä gehört zu den Wörtern, an denen man einen Berner am sichersten erkennt: Wikipedia zählt es zu den Schibboleths des Berndeutschen, also zu jenen Wörtern, die verraten, woher jemand stammt. Hinter den zwei Silben steckt eine lange Geschichte. Laut dem Schweizerischen Idiotikon, dem grossen Wörterbuch des Schweizerdeutschen, geht es auf mittelhochdeutsch allewëge zurück, das «immer» bedeutete. Anderswo in der Deutschschweiz ist daraus allwäg geworden, «vermutlich, wahrscheinlich». Die Berner, so das Idiotikon, ziehen die verkürzte Form äuä vor; und im Berndeutschen klingt das l oft wie ein u, wie Wikipedia festhält, was dieses u erklären dürfte.
Das Wort hat zwei Aufgaben. Mitten im Satz zeigt es, dass man sich ziemlich sicher ist: «sicher, bestimmt». Allein als Antwort hat es mit der Zeit einen ironischen Klang bekommen, und diesen Sinn meint das Spiel: «ach was!», «meinst du?». Je nach Tonfall reicht es vom offenen Unglauben bis zum leisen Staunen.
Interlaken ist ein Sonderfall. Laut Wikipedia ist das zu u gewordene l ein Merkmal des Berndeutschen im Mittelland, das im Oberland fehlt. Das Idiotikon lässt die Leute von Interlaken denn auch mit deutlichem l sprechen: Bei ihnen ergibt dieselbe alte Wurzel albe, «früher». Äuä ist ein Wort des Kantons; diese beiden Hinweise lassen vermuten, dass man es vor allem im Mittelland hört, doch keine der eingesehenen Quellen sagt das.
So zweifelst du eine allzu schöne Neuigkeit an, oder du sagst, dass du dir fast sicher bist:
Quellen: Schweizerisches Idiotikon, «Isch es äuä amig albig besser gsy? Äuää!» (Christoph Landolt, 2017); Wikipedia auf Deutsch, «Berndeutsch»; Wikipedia auf Englisch, «Bernese German».