Damasson rouge

Eine kleine rote Pflaume aus der Ajoie im Jura, die man von Hand aufliest, sobald sie von den hohen Bäumen der Obstgärten gefallen ist, zwischen Mitte Juli und Ende September. Man verwendet sie für Wähen oder Konfitüre.
Ein Augustmorgen in der Ajoie, unter einem hohen Pflaumenbaum. Das Gras ist gemäht, ein Netz unter den Ästen gespannt. Man bückt sich, um die seit dem Vortag gefallenen roten Pflaumen einzeln aufzulesen: Wer die Ursprungsbezeichnung will, darf sie weder pflücken noch den Baum schütteln.
Herkunft
Laut der Schweizerischen Vereinigung der AOP-IGP sollen Kreuzfahrer diesen Pflaumenbaum im 13. Jahrhundert aus dem Vorderen Orient mitgebracht haben; das Kulinarische Erbe der Schweiz mahnt zur Vorsicht, da man damals fast alles, was aus dem Orient kam, als «aus Damaskus» bezeichnete. Schriftlich belegt ist sein Anbau im Jura erst 1860, in der Ajoie, einer Gegend der Obstgärten. Doch ein 1655 in Court verzeichneter «rouge prusnier» lässt vermuten, dass er dort schon früher wuchs, da die einheimischen Pflaumen blau waren.
Anbau
Die Frucht, so gross wie eine Mirabelle, hat eine rosa bis dunkelrote Haut, auf der Sonnenseite dunkel gesprenkelt, im Schatten gelborange, unter einem bläulichen Reif. Ihre hochstämmigen Bäume stehen einzeln in den Obstwiesen oder in Hecken. Sie treiben von selbst Wurzelschosse, doch viele sind veredelt: Man mischt die beiden nie, und die Etikette gibt die Herkunft der Früchte an. Laut dem Kulinarischen Erbe der Schweiz trägt ein aus einem Wurzelschoss gewachsener Baum nur etwa jedes siebte Jahr gut, ein veredelter Baum jedes zweite. Geerntet wird zwischen Mitte Juli und Ende September; spätestens zwei Wochen vorher müssen die Tiere die Wiese verlassen.
Auf dem Tisch
Seit jeher macht man daraus Wähen und Konfitüren, hält die vom Bundesamt für Landwirtschaft veröffentlichte Zusammenfassung fest. Voll ausgereift ist die Pflaume saftig, und ihr Stein löst sich leicht. Doch das meiste landet in der Brennblase: Die ganzen Früchte, samt Steinen, kommen noch am selben oder am nächsten Tag ins Fass, um zu Damassine zu werden.
Heute
Die Ursprungsbezeichnung schützt eher den Brand als die Frucht: Die Damassine ist eine AOP, 2007 beschlossen und 2010 endgültig eingetragen, und alles, vom Obstgarten bis zur Flasche, geschieht auf jurassischem Gebiet. Die Regeln wachen auch über die Bäume: Jede neue Pflanzung mischt Jungbäume aus mehreren Obstgärten des Kantons, um die grosse Vielfalt der Damassine-Bäume zu erhalten. Auf der Etikette steht die Gemeinde, in der aufgelesen wurde. Der Brand einer Ernte wartet bis zum Martinstag des Folgejahres, bevor er verkauft wird.
Quellen: Kulinarisches Erbe der Schweiz, Eintrag «Damassine (AOP)»; Schweizerische Vereinigung der AOP-IGP, Produktblatt «Damassine AOP»; Bundesamt für Landwirtschaft, Zusammenfassung des Eintragungsgesuchs «Damassine» (2005) und Pflichtenheft «Damassine».
