Der Raddampfer auf dem Genfersee

Ein Dampfer der Belle Époque zwischen Ouchy und Genf, mit einem Halt in Nyon.
1823 nimmt auf dem Genfersee ein Raddampfer den Betrieb auf, der erste, den die Schweiz je gesehen hat, erzählt die Compagnie Générale de Navigation sur le lac Léman (CGN). Er heisst Guillaume-Tell, und die Idee dazu hatte ein Amerikaner, Edward Church, der sein Land damals als Konsul in Frankreich vertrat. Ein halbes Jahrhundert später, 1873, schliessen sich drei Gesellschaften, die zusammen etwa acht Dampfer betrieben, zur CGN zusammen. Ihre Werft liegt laut Wikipedia seit 1888 in Ouchy, dem Hafen von Lausanne.
Salons auf dem Wasser
Vor dem Ersten Weltkrieg strömen die Touristen an den See, und die Gesellschaft wächst mit ihnen: Zwischen 1904 und 1914 lässt sie sieben Salondampfer vom Stapel. Die Simplon, noch vor dem Krieg bestellt, wird erst 1920 fertig. 1926 folgt die Helvétie, ein Jahr darauf die Rhône, beide zusammen mit Sulzer in Winterthur gebaut: Mit der Simplon sind sie nach Angaben der CGN die letzten Dampfschiffe, die eine Schweizer Werft verlassen haben. Anfang der 1930er-Jahre steht es schlecht um die Finanzen, und die Gesellschaft sucht nach Wegen, weniger auszugeben: Auf der Genève, 1933 und 1934 in Ouchy umgebaut, erzeugt ein Dieselmotor Strom, der die Räder antreibt, laut der CGN eine Weltneuheit. In den 1950er-Jahren verlieren auch die Italie und die Vevey ihren Dampf.
Eine geschützte Flotte
Aus jenen Jahren stammen acht Schiffe, zwischen 1904 und 1927 in Dienst gestellt, die heute die historische Flotte der Gesellschaft bilden, alle mit Schaufelrädern. Fünf sind Dampfschiffe geblieben: die Montreux, die La Suisse, die Savoie, die Simplon und die Rhône. Auf der Vevey, der Italie und der Helvétie treibt Strom die Räder an. Der Kanton Waadt hat die Flotte im Juni 2011 als historisches Denkmal unter Schutz gestellt, und alle acht Schiffe stehen im Schweizerischen Inventar der Kulturgüter von nationaler Bedeutung. 2014 zeichnete ein Europa-Nostra-Preis die Association des amis des bateaux à vapeur du Léman (ABVL) für ihre Arbeit an deren Erhalt aus. Jedes Schiff hat seine Geschichte: Die La Suisse, das Flaggschiff, wurde 2009 renoviert; die Montreux, die älteste, erhielt im 21. Jahrhundert eine neue Dampfmaschine, die sich von der Kommandobrücke aus fernsteuern lässt; auf der Rhône, der jüngsten, lassen seit 2011 durchsichtige Hauben das Spiel der Maschine sehen. Alle haben ihr Porträt auf der Seite, die die CGN ihren Schiffen widmet, und die Archive der Gesellschaft werden im Musée du Léman in Nyon aufbewahrt.
Auf der Karte
Die Karte hat nur einen Dampfer, ohne Namen: ein weisser Rumpf, zwei Schaufelräder, ein rauchender Schornstein, weder Flagge noch Aufschrift. Er verlässt Ouchy, fährt dem Nordufer entlang bis Nyon, überquert dann den See und legt am linken Ufer an, bei Vésenaz, noch vor dem Genfer Hafenbecken. Die echten Genfer Anlegestellen der CGN liegen in diesem Becken, bei den Pâquis, am Mont-Blanc, beim Jardin Anglais und in Eaux-Vives; jene der Karte bleibt abseits der Fontäne. Zwischen Ouchy und Genf lässt die Karte auch die übrigen Stationen des Nordufers aus, Saint-Sulpice, Morges, Saint-Prex und Rolle, dann Céligny, Coppet, Versoix und Bellevue: In ihrem Massstab lägen sie fast aufeinander, und so bleibt Nyon allein. Das Schiff hält an jedem Steg und fährt dann denselben Weg zurück. Der See dagegen ist ganz gezeichnet, die französischen Gewässer eingeschlossen, und der Ballon kann ihn überall überfliegen. Die Fahrzeuge der Karte sind zum Spielen da: Sie halten sich an keinen Fahrplan und zeigen nicht, wo die echten gerade sind. Zum Reisen schau in die offiziellen Fahrpläne; und wenn die Karte mehr können soll, schreib uns, unsere Links findest du oben auf der Seite.
Quellen: CGN, Seiten «Geschichte», «Flotte», «La Suisse», «Montreux», «Rhône» und «Kontakt & Zugang»; Kanton Waadt, Medienmitteilung vom 20. März 2014 zum Europa-Nostra-Preis; Schweizerisches Inventar der Kulturgüter von nationaler Bedeutung (map.geo.admin.ch); Wikipedia, Artikel «Personenschifffahrt auf dem Genfersee».
