Mehlsuppe

Eine Suppe aus braun geröstetem Mehl und einer in Butter gedünsteten Zwiebel, mit Bouillon abgelöscht und mit geriebenem Käse serviert. In Basel isst man sie in den frühen Morgenstunden des Morgestraich, wenn die Fasnacht um vier Uhr früh in den verdunkelten Strassen beginnt.
Montag, vier Uhr morgens. Die Glocke der Martinskirche schlägt, und die ganze Basler Innenstadt wird auf einen Schlag dunkel. In der Finsternis leuchten nur die bemalten Laternen der Cliquen, die sich zum Klang von Piccolos und Trommeln in Bewegung setzen. Sie ziehen bis zum Morgengrauen umher; dann setzen sich die Fasnächtler vor eine braune, dampfende Schale.
Herkunft
Die Suppe hat kein bekanntes Geburtsdatum; die Fasnacht, die sie begleitet, schon. Als älteste belegte Basler Fasnacht nennt die Bundesliste der lebendigen Traditionen ein Ritterturnier im Jahr 1376; die Reformation hat sie zeitweise unterbrochen, und das heutige Fest nimmt im Wesentlichen ab den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts Gestalt an. Heute eröffnet sie der Morgestraich am Montag nach dem Aschermittwoch, und 72 Stunden später, zur selben Uhrzeit, ist sie vorbei. Das Kulinarische Erbe der Schweiz bemerkt, dass man in Basel vor allem an diesen Tagen Mehlsuppe isst, ebenso wie Zwiebelwähe.
Herstellung
Wenige Zutaten, viel Geduld. Im Rezept von Radio SRF röstet das Mehl zuerst allein bei mittlerer Hitze, bis es eine haselnussbraune Farbe annimmt, und kühlt dann auf einem Teller ab. In derselben Pfanne wird eine fein geschnittene Zwiebel einige Minuten in Butter gedünstet; man gibt das Mehl wieder dazu, löscht mit einem Liter Gemüse- oder Fleischbouillon ab und rührt mit dem Schwingbesen, bis es kocht. Danach lässt man alles eine Stunde köcheln und rührt ab und zu um. Basel Tourismus gibt Rotwein dazu.
Auf dem Tisch
Jede und jeder streut nach eigenem Geschmack geriebenen Käse darüber; SRF schlägt Gruyère vor. Für Basel Tourismus ist sie der Imbiss, der die Cliquen wie die Zuschauer während des Fests auf den Beinen hält. Laut SWI swissinfo.ch essen sie jene, die die ganze Nacht marschiert sind, mit einem Stück Zwiebel- oder Käsewähe.
Heute
Der Morgestraich hat seine Regeln, an die das Fasnachts-Comité erinnert: zuerst die Dunkelheit, also keine offenen Vorhänge, kein Feuerwerk und kein Blitzlicht; zudem muss man früh da sein, denn um vier Uhr ist das Gedränge dicht. Seit 2017 gehört die Basler Fasnacht zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Die Suppe dagegen hat keinen Eintrag im Kulinarischen Erbe der Schweiz: Dessen Inventar beschränkt sich auf Produkte, ohne zubereitete Gerichte; auch das Fondue fehlt darin.
Quellen: Basler Fasnachts-Comité, Seiten «Fasnachtsjahr» und «Besuchende»; Bundesamt für Kultur, Liste der lebendigen Traditionen in der Schweiz, Eintrag «Basler Fasnacht» und dessen ausführliche Beschreibung (2024); SWI swissinfo.ch, «Morgestraich – Auftakt zur Basler Fasnacht»; SRF, Rezept «Basler Mehlsuppe»; Basel Tourismus, «Schweizer & Basler Spezialitäten»; Kulinarisches Erbe der Schweiz, Eintrag «Salzige Wähen» und Seite «Inventar».
