Landsgmendchrempfli

Ein kleines, weisses Gebäck in Halbmondform mit Haselnussfüllung, auf dessen Oberseite der Abdruck eines Holzmodels bleibt. Appenzeller Bäcker backen es vor allem für die Landsgemeinde am letzten Aprilsonntag.
Am letzten Aprilsonntag versammeln sich die Stimmberechtigten von Appenzell Innerrhoden auf dem Platz im Hauptort, um abzustimmen. An diesem Tag liegen in den Schaufenstern der Bäckereien ringsum weisse Halbmonde.
Herkunft
Die Versammlung ist alt: In Appenzell tritt sie seit dem 14. Jahrhundert zusammen. Das Gebäck, das ihren Namen trägt, begleitet sie womöglich noch nicht so lange. Laut dem Kulinarischen Erbe der Schweiz stammt sein frühester schriftlicher Beleg aus einer volkskundlichen Erhebung der 1930er-Jahre. Sie nennt «Kloster-Chrempfli», die die Kapuzinerinnen von Appenzell und Jakobsbad für den Verkauf backten, und erwähnt die Landsgemeinde mit keinem Wort. Nach 1950 dürften die Dorfbäckereien die Arbeit der Klöster übernommen haben. So oder so blieb es stets Sache von Fachleuten, nie ein Rezept für die eigene Küche.
Herstellung
Zuerst schlägt man Zucker und Eier schaumig, danach kommen Mehl, Wasser und ein Triebmittel hinzu: der Teig von Anisbrötli, aber ohne Anis, dessen kräftiger Geschmack vielen Kundinnen und Kunden zu stark ist. Rund 4,5 mm dünn ausgewallt, ergibt er Scheiben von etwa elf Zentimetern, mit fein gezähntem Rand ausgestochen. Jede wird von Hand auf ein geschnitztes Holzmodel gepresst, mit einer Masse aus gerösteten, gemahlenen Haselnüssen, Wasser, wenig Zucker, Biskuitbröseln und Zitrone belegt und einmal gefaltet. Über Nacht ruhen die Gebäcke in einem warmen, trockenen Raum: Der Zucker kristallisiert zu einer Kruste, dank der das Motiv zwanzig Minuten bei 220 °C im Ofen übersteht. Am geschlossenen Gebäck bleibt davon nur eine Hälfte zu sehen.
Auf dem Tisch
Man isst es zum Zvieri, zu Kaffee oder Tee, oder als Dessert; es hält sich etwa eine Woche. Bis Anfang der 1990er-Jahre stimmten an der Landsgemeinde nur Männer ab, und viele brachten Frau und Kindern eine Schachtel Chrempfli mit nach Hause. Mit den Leckerli, flachen Lebkuchen ohne Füllung, ergeben sie das «Landsgmendchrom», die Süssigkeiten des Versammlungstags.
Heute
Die Nachfrage ist gewachsen, auch dank der Gäste von auswärts, und mit ihr die Saison: Manche Bäckereien verkaufen das Gebäck das ganze Jahr, andere von März bis Mai. Den Höhepunkt bilden weiterhin die Tage um die Versammlung: Ein vom Kulinarischen Erbe der Schweiz befragter Bäcker backt dann statt 250 Stück täglich 500, manchmal 700. Die Motive wechseln von Laden zu Laden; bei ihm sind es unter anderem ein Kirschenpaar, eine Birne, ein Fruchtkorb, ein Schwan oder eine Taube. Die Verwandten aus der Innerschweiz, etwa die Menzinger Gubel-Krapfen, sind rund und das ganze Jahr erhältlich.
Quellen: Kulinarisches Erbe der Schweiz, Eintrag «Landsgmendchrempfli».
